Foley & Sounddesign: Wie eine Serie oder ein Film vertont wird

Nachdem Drei Schätze abgedreht wurde, haben Magdalena Müller und ich auf den Rohschnitt der Video-CutterInnen gewartet. Idealerweise arbeitet man mit dem Picture Lock, sodass sich im Nachhinein nichts mehr verschiebt. In unserem Fall ist der Picture Lock noch nicht ganz erreicht, aber auch nur weil nachher noch auf die Musik von uns geschnitten wird. Der nächste Schritt neben der Mischung war es Foley aufzunehmen und uns um das Sounddesign zu kümmern. Mäggie und ich haben sogar einen kleinen Gastaustritt in der Serie.

Set-Up & Aufnahme

Am besten arbeitet man zu zweit: Eine Person sitzt vor dem Computer und kümmert sich um die Session, die andere Person vertont alles in einem akustisch optimierten Raum. Ersteren Part hat Mäggie übernommen, während ich alle Szenen, Bewegungen, (Inter-)Aktionen und Geschehnisse nachgespielt habe. Dabei ist es wichtig viel mit Objekten, Materialien und Mikrofonen zu experimentieren. Oft reicht es denselben Gegenstand neu aufzunehmen, aber in manchen Fällen sollte man sich überlegen aus was für einem Material ein Objekt besteht um vielleicht einen passenderen Sound für das Foley zu finden. Meist wird unterschätzt was Foley für einen Unterschied machen kann.

Wir haben uns für das Neumann TLM 103 bzw. 102 entschieden, da es am rauschärmsten war und einen relativ neutralen Frequenzgang aufweist. Das Sennheiser MKE 600-Richtrohrmikrofon hatte meist nicht genug Bass und ein hörbares Eigenrauschen. Da Geräusche meist nicht laut sind und gleich voluminös und basslastig werden können wenn man versucht sie lauter nachzustellen, sind leise Vorverstärker und ein rauscharmes Mikrofon ein Muss für Foley. Lediglich bei Türgeräuschen haben wir das MKE 600 benutzt, da wir die Tür in keinem akustisch optimierten Raum aufgenommen haben und wir so wenig Raumhall wie möglich in der Aufnahme haben wollten.

Währenddessen ist es immer gut gleich ein paar Spuren in der Session anzulegen und sich ein System zu überlegen. Wir haben es immer nach Szenen gruppiert und uns langsam vorgearbeitet. Anfangs haben wir noch Listen mit notwendigen Foleysounds erstellt, später einfach darauf hin losgearbeitet wenn uns etwas aufgefallen ist, das vertont werden muss. Bis auf ein paar sehr wenige Ausnahmen sind alle Sounds entweder aus dem O-Ton oder selbst aufgenommen. Nur ein paar Klänge sind von Libraries genommen worden. Das liegt einfach daran, dass man oft sehr lange braucht um den richtigen Sound zu finden und die Neuaufnahme vor allem in puncto Timing meist leichter ist.

Sobald die Aufnahme läuft heißt es: Talkback ausschalten, einatmen, Luft anhalten und aufnehmen. Denn selbst das leise Geräusch des Lautsprechers oder ein Atemzug ist in der Aufnahme drauf. Sogar meine Hose wurde zum akustischen Problem: Jede Bewegung hat immer wieder ein leichtes Rascheln drauf gehabt, sodass ich komplett still stehen, sitzen bzw. manchmal auch liegen musste.

Viel zu viele Geräusche

Selbst mit einem Serienpiloten der lediglich 19 Minuten lang ist, kann man schon mehrere Tage allein an der Foley-Aufnahme sitzen. Es heißt zwar immer, dass nur 2,5 akustische Streams gleichzeitig wahrgenommen werden können, aber dennoch gibt es so viele Interaktionen, dass man innerhalb einer Minute leicht über 25 kurze Sounds benötigt. Meist sind diese auch alle schnell erledigt, aber es summiert sich am Ende dennoch.

Man braucht es natürlich nicht übertreiben: Oft ist weniger mehr. Aber die Kleinigkeiten gut klingen zu lassen erfordert doch etwas Zeit. Vieles war durch den kleinen Aufnahmeraum zu basslastig. Mit einem Low-Cut zwischen 50 und 200 Hz, je nach Geräusch, sind wir gut weitergekommen.

Interessant war es zu sehen, dass oft auch viel außerhalb des Bilds passiert. Dabei ist es z.B. passiert, dass im ersten Bild eine Darstellerin ein Glas putzt, dann geschnitten wird und sie plötzlich nach dem nächsten Schnitt aus dem Nichts ein zweites Glas nimmt während das andere verschwunden ist. Optisch fällt das nicht auf, sie kann ja eines abgestellt haben und sich das nächste genommen haben. Akustisch fehlt es aber dennoch. Dadurch mussten wir außerhalb des Frames dem Schnitt regelrecht Continuity verleihen. An diese Dinge habe ich vorher noch gar nicht gedacht.

Immer dieses Timing…

Ist einmal alles aufgenommen, hat die Mäggie alles auf ihren rechten Platz geschoben. Durch leichte Bildlatenzen im Aufnahmeraum, hatten wir schon von Anfang an einen leichten Delay von ca. 100–200 ms. Dabei sind Geschehnisse im Bild noch leicht zu platzieren. Sobald man Geräusche vertont, die man nicht mehr ganz sieht, wird es schwieriger. Dabei waren vor allem Schritte bei Nahaufnahmen eine Herausforderung, da man merkt, dass das Geräusch manchmal nicht ganz synchron ist, aber man kann nicht sagen ob er nun zu früh oder zu spät angespielt wird. Meist ist es ein Ausprobieren bis es nicht mehr stört. Dann sollte das Timing in Ordnung sein.

Kreativ sein

Bei Drei Schätze sind die Klänge alle sehr weltnah. Damit meine ich, dass vieles davon Schritte waren, Gläser, Sessel, etc. Das kann man sehr leicht mit den korrespondierenden Gegenständen nachvertonen. In anderen Genres wie z.B. Sci-Fi müssen künstliche Objekte geschaffen werden. Oder ein Klang geschaffen zu dem es keinen realen Bezug gibt, weil dieser schlicht nicht existiert. Bei uns waren zwei Geräusche etwas kniffliger, wobei eines davon Foley war und das andere eigentlich SFX.

Nachdem der Serienpilot noch nicht ausgestrahlt wurde, kann ich noch nichts vorweg nehmen. Aber so viel sei gesagt: Das Foley-Geräusch wurde mit einem Locher, einem Hefter und einem Dosenöffner aufgenommen. Das SFX-Geräusch mit einem Blatt Papier.

Weitere Schritte

Nachdem die Foley-Aufnahmen abgeschlossen sind, geht es bei uns weiter mit SFX, Musik und der Dolby Atmos-Mischung. Während SFX-Sounds schon ausgesucht sind, geht es bei uns derzeit noch sehr um die Musik. Wir arbeiten dabei parallel am Panoramisieren der Spuren und fangen dabei auch schon mit Dolby Atmos-Objekten an. Näheres zur Dolby Atmos-Mischung folgt in einem späteren Blog-Eintrag.

Unser Gastauftritt ist in den Telefonstimmen mit der die Protagonistin redet. Einmal hat Mäggie den Text eingesprochen und einmal ich. Natürlich klingt es sehr Telefon-mäßig und man versteht nur bisschen was, aber immerhin ein kleiner Auftritt in dem Serienpiloten.

Zum Schluss noch ein paar Foley-Einblicke:

https://www.instagram.com/p/B8Q7jA4HZKc/

Produktvideo zu IntelliCharger nun online

Als Teil der Masterklasse Audio Design erarbeiten wir einen Geschäftsplan zu einem Produkt. Mit dieser Möglichkeit habe ich meine Idee zu einem intelligenten Ladegerät eingebracht und erarbeite nun zusammen mit Lavinia Muresan und Viola Kurz den Geschäftsplan dazu. Als ersten Meilenstein haben wir unsere Zwischenpräsentation gehalten und gleich ein erstes Werbevideo präsentieren dürfen.

Das Problem

Die Idee ist, dass die meisten Akkus leicht überladen werden um eine längere Akkulaufzeit zu ermöglichen. Das ist kurzfristig sicherlich super, aber langfristig leidet die Lebensdauer des Akkus darunter. Dadurch landen viele Geräte wie Smartphones, Tablets und Laptops in den Müll oder werden nicht mehr benutzt obwohl sie sonst noch einwandfrei sind. Ein Akkuverschleiß ist sogar für 1/3 der Smartphone-Nutzer der Grund, warum sie ein neues Smartphone kaufen. Das erzeugt nicht nur Elektromüll, sondern bedeutet auch eine große Menge an Lithium, das wieder abgebaut werden muss und bald im Müll landet. Das kann so nicht weitergehen .

Das Konzept

IntelliCharger App
(©2020 Sarah Neuwirth)

IntelliCharger erlaubt das Limitieren der Akkuladung. Anstatt dass der Akku immer auf 100 Prozent geladen wird, kann er z.B. permanent zwischen 75 und 80 Prozent gehalten werden oder über Nacht erst vor dem Wecker aktiviert werden, damit der Akku nicht die ganze Nacht voll geladen bleibt, sondern sich erst vorm Aufstehen auflädt. Dadurch bleibt die Spannung des Akkus über eine längere Zeit geringer und erlaubt es dem Akku länger genutzt zu werden. Zusätzlich kann man IntelliCharger und die Akkubegrenzung auch timen, als Zeitschaltuhr benutzen und sieht bei mehreren Produkten eine zentrale Übersicht der Akkustände aller im Netzwerk verbunden Geräte.

In weiterer Folge hoffen wir mit dieser Idee inspirieren zu können und reichen unsere Idee an diversen Veranstaltungen ein.

Um sich ein besseres Bild über dieses Produkt machen zu können, haben wir ein kurzes Video erstellt, das IntelliCharger bewirbt und kurz erklärt. Die Animation wurde von Lavinia Muresan erstellt und das Logo von Sarah Neuwirth. Ich habe als Sprecher und als Video-Cutter beteiligt und das Video dann online gestellt.

Drei Schätze: Offiziell abgedreht

Es war eine lange und spannende Woche, aber nun kann offiziell verkündet werden: Der Serienpilot namens Drei Schätze ist mit dem vorgestrigen Tag offiziell abgedreht. Wir haben über 15 Mitarbeiter, sechs volle Drehtage und sehr viel Kaffee zu verzeichnen. Insgesamt waren wir in drei Locations: Das Shanghai Tan, eine private Wohnung in der Seestadt und zu guter Letzt in einer Montessori Schule in Hütteldorf. Es war eine tolle Erfahrung mit den ersten Einblicken zum Thema Set-Ton.

Die Anfänge

Der MixPre 6 war schon einmal eingerichtet, die Nano LockIts mit dem Timecode schnell sowohl mit der Arri Alexa als auch mit dem MixPre 6 verbunden. Dabei war es wichtig zu beachten, dass bei der Arri Alexa der Timecode auf „EXT“ gestellt werden muss und dann unbedingt „REGEN“ gesetzt wird. Beim MixPre 6 muss man in den Einstellungen zuerst bestimmen, dass der AUX IN für den Timecode ist und diesen danach als Timecode-Quelle setzen. Sobald die Zeit in der Hauptanzeige läuft, ist der Timecode erfolgreich gesetzt. Trennt man die Verbindung zum LockIt, stoppt der MixPre von selbst. Das ist gut um zu verhindern, dass das Gerät intern weiterläuft und dann irgendwann abdriftet.

Die Verkabelung der Schauspieler hat meine Kollegin Magdalena Müller übernommen. Vor allem mit den URSA Waist Straps und den Lav-Concealern (+ Tape natürlich) hat das sehr gut funktioniert. Eine raschelnde Jacke hat uns zwar einmal Kopfzerbrechen bereitet, aber man versucht natürlich trotzdem das Beste herauszuholen.

Die Probleme

Das Richtrohrmikrofon war eine andere Geschichte: Nach zwei verschiedenen Mikrofonen haben wir erst beim dritten Glück gehabt. Die ersten beiden hatten eine lose XLR-Buchse und haben zu unglaublich schlimmen Störgeräuschen geführt. Als wir das Problem gelöst haben, haben wir schon bemerkt auf was wir aufpassen müssen. Dass die Tonangel nicht im Bild ist, ist klar. Aber dass man sehr schnell auch im Licht ist und einen Schatten auf den gefilmten Frame wirft, ist uns erst bei der Produktion wirklich aufgefallen. Zudem sind Lichtdimmer und Licht-Stromkabel auch kein Freund des Tons trotz symmetrischen XLR-Anschlüssen. Die Einstreuungen von diesen Geräten waren gut wahrnehmbar. Damit wussten wir gleich, dass wir aufpassen müssen wo das XLR-Kabel liegt.

Obwohl wir am Anfang keine Probleme mit Signaleinstreuungen in den Funkstrecken hatten, obwohl im Keller kein wirklicher Empfang war – möglicherweise waren alle Mitarbeiter brav und haben das Handy sowieso im Flugmodus gehabt –, war es die nächsten Tage ein kleines Problem: Im 600 MHz-Bereich hatten wir Handyeinstreuungen, die mir aufgrund der hohen Lautstärke beim Abhören regelrecht Ohrenschmerzen bereitet hat. Als das das erste Mal passiert ist, haben wir gedacht, dass das Lavalier-Mikrofon bzw. das Kabel einen Schaden hat. Schnell war klar, dass es sich um Handyeinstruungen handelt. Nachdem alle Beteiligten ihre Handys im Flugmodus hatten, waren die Lavaliers kein Problem mehr. Nur hin und wieder sind Störgeräusche vorgekommen. Vor allem durch Handys ohne Flugmodus nach der Mittagspause oder durch Menschen, die vor der Wohnung durch den Gang gegangen sind. Ich hätte mir nicht gedacht, dass das zu so einem großen Störfaktor werden kann.

Was gut funktioniert hat

Dank eines vorbereiteten Kanalsplans war die Kanalbelegung an jedem Drehtag ein Klacks. Die Eneloop Pro-Akkus haben bei den Sennheiser EW100 G3-Funkstrecken den ganzen Tag (über 10 Stunden inkl. Pause) durchgehalten und waren noch nicht am Ermüden. Die 20 000 mAh-Powerbank für den MixPre 6 hat nach derselben Zeit noch 1,5 von 4 Strichen gehabt, während der MixPre bis auf die Mittagspause permanent im Einsatz war und einen Kanal mit Phantomspeisung versorgt hat. Auch die LockIts waren am Ende des Tages noch in Ordnung. Wir konnten dadurch jeden Tag ohne Batterie- oder Akkuwechsel drehen. Das war eine ziemlich Erleichterung. Alle paar Stunden haben wir mit der Kamerafrau den Timecode noch einmal abgeblichen, da wir in die Arri Alexa trotz 5-Pin-DMX-auf-3-Pin-XLR-Kabel kaum einen Pegel hineinbekommen haben und der Timecode damit die einzige Art der Synchronisation von Bild und Ton war.

Nach sechs Drehtagen hat man die Anstrengung schon richtig gespürt. Zwar war ein Tag Pause dazwischen, ein 10-stündiger Drehtag macht sich aber dann doch irgendwann bemerkbar.

Lessons Learned

Ich habe letzte Woche einiges gelernt. Es gibt viele Dinge auf die man sich vorbereiten kann und einige, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Das Wichtigste bleibt wohl das Beste aus der Situation zu machen und sein Bestes zu geben. Geht man aus dem Studio hinaus in die weite Welt, dann kann man keinen perfekt sauberen Studioton ohne Abstriche aufnehmen. Man arbeitet immer mit dem geringsten Übel und dem aktuell Bestmöglichen. In einer perfekten Tonwelt wären alle Drehorte akustisch perfekt optimiert und man hat kommt mit dem Mikrofon ganz nah, braucht sie nicht verstecken und bekommt einen tollen Ton. In der Praxis muss man sich natürlich allen anderen Bereichen wie Kamera und Licht beugen. Wenn es gar nicht geht, kommt man im Idealfall zu einem Konsensus mit alle anderen.

Was ich auf jeden Fall weitergeben möchte: Wenn etwas nicht passt, dann den Mund aufmachen und sich melden. Alles was man bewusst verpfuscht ist jemand anderes (oder des eigenen) Fluch in der Post-Production!

Am ersten Drehtag hatten wir die Probleme mit dem Richtmikrofon. Wir haben zwar die Produktion für eine halbe Stunde aufgehalten, hätten wir aber einfach blind weitergemacht, wäre vielleicht alles umsonst gewesen. Auch wenn wieder einmal eine Total angesagt war und das Richtmikrofon eigentlich nirgendwo sein hat können ohne im Frame zu sein, haben wir das mit der Regie besprochen. Das Bild hat die Regie immer vor Augen: Schärfe, Licht, Framing, etc. Was die Regie bei uns nicht mitbekommt: Wie der Ton ist. Es ist eine enorme Erleichterung nicht dauernd beobachtet zu werden, umso mehr trägt man die Verantwortung alles richtig zu machen.

Ein weiterer Tipp ist es auch einfach Nur-Ton-Aufnahmen zu machen ohne dass sich die Schauspieler viel bewegen oder Geräusche machen. Allein diese zu haben kann einem nachher, wenn es darauf ankommt, das ADR (Automatic Dialogue Recording) bzw. die Nachsynchronisation im Studio ersparen.

Und als letzter Tipp: Atmo und Impulsantworten aufnehmen. Manche Atmos sind es vielleicht nicht Wert aufgenommen zu werden, aber besser man macht sie gleich als man fährt im Nachhinein stundenlang wieder zurück zum Drehort, wenn das dann überhaupt noch möglich ist. Eine Minute Ruhe am Set war bei uns kein Problem und wie es so schön heißt: „Better to be safe than sorry.“ Auch die Impulsantwort der Räume mit einem platzenden Luftballon haben wir zur Sicherheit aufgenommen. Man weiß ja nie ob man einen Faltungshall auf das Foley nachher drauflegen will.

Ein großes Dankeschön

Natürlich sind wir alle nach Studierende. Keiner von dem Hauptteam erhält Geld oder bekommt die Überstunden vergütet. Jeder in dem Team hat sein Bestes gegeben um ein tolles Projekt auf die Beine zu stellen, auf das wir Stolz sein können und das uns als Referenz in Zukunft weiterbringen kann. Viel Respekt gegenüber den anderen aufzubringen und im ständigen Austausch mit dem Beteiligten zu sein, ist meines Erachtens das A und O. Jeder muss auf den anderen Rücksicht nehmen, Kompromisse müssen manchmal gemacht werden, aber hier hilft es nichts sich abzuschotten und sein eigenes Süppchen zu kochen.

Auf ein großes Dankeschön an die Boom-Operatorin und Verkabelungsspezialistin Magdalena Müller. Bei solchen Projekten ist der Ton sicherlich kein Job für eine Person und die reibungslose Zusammenarbeit im eigenen Bereich wünscht man sicher immer, es ist aber oft keine Selbstverständlichkeit. Ich würde sagen wir haben den Set-Ton gemeinsam erfolgreich gemeistert.

Doch das Projekt ist noch lange nicht vorbei. Sobald der Rohschnitt bzw. der Picture Lock da ist, heißt es wohl: Nächster Halt/Next Stop: Post-Production.

(Beitragsbild: Fabian Altphart)

Das Equipment ist da

In wenigen Tagen ist der Drehbeginn zur Serie „Drei Schätze” und mittlerweile ist auch schon das Equipment angekommen, das im Rahmen eines Förderantrags der FH St. Pölten eingekauft wurde. Dazu gehören 32 AA-Akkus, zwei Ladegeräten mit jeweils Platz für 8 Stück Akkus, eine 20 000 mAh Anker-Powerbank, zwei Nano LockIts und ein LEMO-auf-LEMO-Kabel für die Arri Alexa, die beim Dreh verwendet wird.

Die Akkus

Die Rechnung der Akkus ergibt sich aus dem benötigen Equipment:

  • 4 AA-Akkus für den MixPre 6
  • 3 mal 4 AA-Akkus für die Sennheiser EW 100 G3 (2 für den Empfänger und 2 für den Sender)

16 Akkus werden permanent benötigt und noch einmal 16 sind zur Reserve da. Die AA-Akkus beim MixPre 6 werden aber nur Plan B sein, da er sehr viel Strom benötigt und eine Powerbank die sinnvollere Variante ist. Sollte die Verbindung zur Powerbank abreißen, sind die AA-Akkus als Puffer da.

Die Nano LockIts

Die Nano LockIts sind unglaublich praktisch, da sie ideal für unseren Dreh und gleichzeitig sehr klein und kompakt sind. Synchronisiert werden sie durch das Drücken und Halten des grünen Knopfs auf beiden Geräten. Und nach kurzer Zeit blinken sie synchron und funktionieren. Für weitere Funktionen gibt es noch die LockIt Toolbox. Das Programm ist sehr simpel und erlaubt es die LockIts zu programmieren.

Einstellungen, die man mit der LockIt Toolbox vornehmen kann:

  • AD/ED (ich vermute American Date/European Date)
  • Framerate-Anpassung (zwischen 23,98 und 60 Frames)
  • Funkkkanal von 11–26 (Standard ist Kanal 18)
  • einen Low Noise Amplifier (LNA), der mehr Strom braucht, aber die Reichweite erhöht
  • Auto Power (vermutlich, dass er sich automatisch ausschaltet?)
  • die Helligkeit der LED von Stufe 1–10 (Standard 5)
  • die Lautstärke des Timecode-Signals (Standard +6 dB)

Ambient LockIt Toolbox

Bei einigen Einstellungen bin ich mir selbst nicht sicher was sie verändern. Im schlimmsten Fall kann man die Nano LockIts immer im ausgeschalteten Zustand zurücksetzen, indem man den Power-Button 10 Sekunden während des Einschaltens hält.

Praktisch ist, dass bei den LockIts auch farbige Antennenaufsätze mit dabei sind: schwarz, blau und rot. Damit kann man die unterschiedlichen LockIts gut auseinander halten. Auch ein microUSB-Kabel wird mitgeliefert.

Ist das schon alles?

Was noch fehlt sind die URSA-Gurte für die Taschensender und ein paar andere Kleinigkeiten. Die sind aber mittlerweile schon am Weg. Das Verleih-Equipment der FH wird Ende dieser Woche abgeholt und durchgecheckt.

Der nächste Schritt

Am Sonntag, den 10. November 2019 geht’s los mit dem Dreh und davor werden wir das Equipment noch einmal durchchecken. Die Nervosität steigt, aber wir haben (hoffentlich) an alles gedacht. Wie immer heißt es: So gut vorbereiten wie möglich, so wenig ärgern wie nötig weil irgendwas immer gegen die Vorbereitung und den perfekten Plan spielt.

Vorbereitung für den Dreh des Serienpiloten „Drei Schätze“

Für mein Semesterprojekt der Masterklasse Audio Design bin ich an einem Serienpiloten beteiligt, der Masterklassen-übergreifend produziert wird. Zusammen mit meiner Studienkollegin Magdalena Müller sind wir für den Set-Ton bis hin zur fertigen Mischung verantwortlich und damit natürlich auch für alles dazwischen. Die Vorbereitungen laufen auch Hochtouren damit bei der Produktion dann alles klappt.

Planung

Zu Beginn war es einmal wichtig mit der Masterklasse Film & TV das Drehbuch zu besprechen und die Drehtermine festzulegen. Dabei wurden auch Musikwünsche samt den möglichen Szenen, in denen Musik vorkommen soll, einmal protokolliert um sich schon einmal ans Komponieren zu machen oder bei Bedarf zumindest einen der Stimmung entsprechenden Titel auswählen zu können. Weitere Details wie die Zuständigkeit der einzelnen Arbeitsschritte zwischen Magdalena und mir waren wichtig zu definieren. Jeder Teil und auch der gesamte Audioteil braucht eine/n Hauptverantwortliche/n.

Das Equipment

Das richtige Equipment zu finden ist anfangs sicherlich nicht einfach. Der erste Schritt war zu sehen, was die FH im Verleih anbietet und was wir benutzen können. Im zweiten Schritt haben wir einen Förderantrag an die FH St. Pölten gestellt, damit wir zusätzlich Equipment für den Dreh kaufen oder leihen können. Als Aufnahmegerät haben wir uns für den MixPre 6 von Sound Devices entschieden, da er sich nicht nur in der Industrie bewährt hat, sondern auch alle Funktionen bietet, die unser Projekt benötigt.

Mikrofone

Fürs Boomen verwenden wir das Sennheiser MKE 600-Richtmikrofon samt Karbon-Tonangel. Als Funksender und -empfänger verwenden wir drei Stück Sennheiser EW100 G3 mit jeweils einem MKE2 Gold-Mikrofon. Da nie mehr als drei Personen in einer Szene mikrofoniert werden müssen, geht es sich von den Anschlüssen perfekt aus, MixPre 6 hat genau vier XLR-Eingänge: dadurch belegen wir einen mit dem Richtmikrofon und drei weitere mit den Funksendern.

Weiteres Equipment

Kleinigkeiten haben wir auch noch besorgen müssen. Dazu zählen z.B. die Beyerdynamic DT-770 80 Ohm, eine Tasche samt Audio Harness (ein Tragegurt für beide Schultern, die die Last der Aufnahmegeräte auf dem Rücken verteilt), eine Powerbank als primäre Stromversorgung für den MixPre 6 und sehr viele Eneloop AA-Batterien samt Ladegeräte, die wir für alle Möglichen Audiogeräte benötigen.

Timecode

Nachdem wir wissen, dass mit einer Arri Alexa produziert wird, war uns auch klar, dass wir auf Timecode nicht verzichten können. Nach langer Recherche und abwägen des Budgets haben wir uns für zwei Nano LockIts entschieden. Diese können selbst einen Timecode generieren und laufen auch nach einem Tag noch annähernd synchron. Für die Produktion des Serienpiloten und lange Drehtage ein Muss.

Eine weitere Recherche brachte dann Gewissheit welche Anschlüsse wir brauchen. Die Arri Alexa und der Nano LockIt weisen beide einen 5-Pin-LEMO-Anschluss auf. Damit brauchen wir ein 5-Pin-LEMO-auf-5-Pin-Lemo-Kabel und für unseren MixPre 6 ein 5-Pin-LEMO-auf-3,5 mm-Klinkenkabel, das beim LockIt bereits inkludiert ist.

Weitere Schritte

In der Theorie sind wir nun hoffentlich besten gerüstet. Jetzt heißt es nur noch das fehlende Equipment zu kaufen und zu testen. Am 9. November 2019 findet der Probedrehtag statt. Ab dem 10. November 2019 wird bereits produziert. Es wird sich dann zeigen ob unsere ausgetüftelte Theorie in der Praxis auch funktioniert. Danach heißt es nur noch abwarten bis zum fertigen Rohschnitt oder Picture-Lock und dann wird mit dem Sound Design begonnen. In der Zwischenzeit wird fleißig nach Musik gesucht, während ich mich ans Komponieren des Main Themes der Serie setze.

(Foto: Tobias Holub)

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