Drei Schätze: Offiziell abgedreht

Es war eine lange und spannende Woche, aber nun kann offiziell verkündet werden: Der Serienpilot namens Drei Schätze ist mit dem vorgestrigen Tag offiziell abgedreht. Wir haben über 15 Mitarbeiter, sechs volle Drehtage und sehr viel Kaffee zu verzeichnen. Insgesamt waren wir in drei Locations: Das Shanghai Tan, eine private Wohnung in der Seestadt und zu guter Letzt in einer Montessori Schule in Hütteldorf. Es war eine tolle Erfahrung mit den ersten Einblicken zum Thema Set-Ton.

Die Anfänge

Der MixPre 6 war schon einmal eingerichtet, die Nano LockIts mit dem Timecode schnell sowohl mit der Arri Alexa als auch mit dem MixPre 6 verbunden. Dabei war es wichtig zu beachten, dass bei der Arri Alexa der Timecode auf „EXT“ gestellt werden muss und dann unbedingt „REGEN“ gesetzt wird. Beim MixPre 6 muss man in den Einstellungen zuerst bestimmen, dass der AUX IN für den Timecode ist und diesen danach als Timecode-Quelle setzen. Sobald die Zeit in der Hauptanzeige läuft, ist der Timecode erfolgreich gesetzt. Trennt man die Verbindung zum LockIt, stoppt der MixPre von selbst. Das ist gut um zu verhindern, dass das Gerät intern weiterläuft und dann irgendwann abdriftet.

Die Verkabelung der Schauspieler hat meine Kollegin Magdalena Müller übernommen. Vor allem mit den URSA Waist Straps und den Lav-Concealern (+ Tape natürlich) hat das sehr gut funktioniert. Eine raschelnde Jacke hat uns zwar einmal Kopfzerbrechen bereitet, aber man versucht natürlich trotzdem das Beste herauszuholen.

Die Probleme

Das Richtrohrmikrofon war eine andere Geschichte: Nach zwei verschiedenen Mikrofonen haben wir erst beim dritten Glück gehabt. Die ersten beiden hatten eine lose XLR-Buchse und haben zu unglaublich schlimmen Störgeräuschen geführt. Als wir das Problem gelöst haben, haben wir schon bemerkt auf was wir aufpassen müssen. Dass die Tonangel nicht im Bild ist, ist klar. Aber dass man sehr schnell auch im Licht ist und einen Schatten auf den gefilmten Frame wirft, ist uns erst bei der Produktion wirklich aufgefallen. Zudem sind Lichtdimmer und Licht-Stromkabel auch kein Freund des Tons trotz symmetrischen XLR-Anschlüssen. Die Einstreuungen von diesen Geräten waren gut wahrnehmbar. Damit wussten wir gleich, dass wir aufpassen müssen wo das XLR-Kabel liegt.

Obwohl wir am Anfang keine Probleme mit Signaleinstreuungen in den Funkstrecken hatten, obwohl im Keller kein wirklicher Empfang war – möglicherweise waren alle Mitarbeiter brav und haben das Handy sowieso im Flugmodus gehabt –, war es die nächsten Tage ein kleines Problem: Im 600 MHz-Bereich hatten wir Handyeinstreuungen, die mir aufgrund der hohen Lautstärke beim Abhören regelrecht Ohrenschmerzen bereitet hat. Als das das erste Mal passiert ist, haben wir gedacht, dass das Lavalier-Mikrofon bzw. das Kabel einen Schaden hat. Schnell war klar, dass es sich um Handyeinstruungen handelt. Nachdem alle Beteiligten ihre Handys im Flugmodus hatten, waren die Lavaliers kein Problem mehr. Nur hin und wieder sind Störgeräusche vorgekommen. Vor allem durch Handys ohne Flugmodus nach der Mittagspause oder durch Menschen, die vor der Wohnung durch den Gang gegangen sind. Ich hätte mir nicht gedacht, dass das zu so einem großen Störfaktor werden kann.

Was gut funktioniert hat

Dank eines vorbereiteten Kanalsplans war die Kanalbelegung an jedem Drehtag ein Klacks. Die Eneloop Pro-Akkus haben bei den Sennheiser EW100 G3-Funkstrecken den ganzen Tag (über 10 Stunden inkl. Pause) durchgehalten und waren noch nicht am Ermüden. Die 20 000 mAh-Powerbank für den MixPre 6 hat nach derselben Zeit noch 1,5 von 4 Strichen gehabt, während der MixPre bis auf die Mittagspause permanent im Einsatz war und einen Kanal mit Phantomspeisung versorgt hat. Auch die LockIts waren am Ende des Tages noch in Ordnung. Wir konnten dadurch jeden Tag ohne Batterie- oder Akkuwechsel drehen. Das war eine ziemlich Erleichterung. Alle paar Stunden haben wir mit der Kamerafrau den Timecode noch einmal abgeblichen, da wir in die Arri Alexa trotz 5-Pin-DMX-auf-3-Pin-XLR-Kabel kaum einen Pegel hineinbekommen haben und der Timecode damit die einzige Art der Synchronisation von Bild und Ton war.

Nach sechs Drehtagen hat man die Anstrengung schon richtig gespürt. Zwar war ein Tag Pause dazwischen, ein 10-stündiger Drehtag macht sich aber dann doch irgendwann bemerkbar.

Lessons Learned

Ich habe letzte Woche einiges gelernt. Es gibt viele Dinge auf die man sich vorbereiten kann und einige, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Das Wichtigste bleibt wohl das Beste aus der Situation zu machen und sein Bestes zu geben. Geht man aus dem Studio hinaus in die weite Welt, dann kann man keinen perfekt sauberen Studioton ohne Abstriche aufnehmen. Man arbeitet immer mit dem geringsten Übel und dem aktuell Bestmöglichen. In einer perfekten Tonwelt wären alle Drehorte akustisch perfekt optimiert und man hat kommt mit dem Mikrofon ganz nah, braucht sie nicht verstecken und bekommt einen tollen Ton. In der Praxis muss man sich natürlich allen anderen Bereichen wie Kamera und Licht beugen. Wenn es gar nicht geht, kommt man im Idealfall zu einem Konsensus mit alle anderen.

Was ich auf jeden Fall weitergeben möchte: Wenn etwas nicht passt, dann den Mund aufmachen und sich melden. Alles was man bewusst verpfuscht ist jemand anderes (oder des eigenen) Fluch in der Post-Production!

Am ersten Drehtag hatten wir die Probleme mit dem Richtmikrofon. Wir haben zwar die Produktion für eine halbe Stunde aufgehalten, hätten wir aber einfach blind weitergemacht, wäre vielleicht alles umsonst gewesen. Auch wenn wieder einmal eine Total angesagt war und das Richtmikrofon eigentlich nirgendwo sein hat können ohne im Frame zu sein, haben wir das mit der Regie besprochen. Das Bild hat die Regie immer vor Augen: Schärfe, Licht, Framing, etc. Was die Regie bei uns nicht mitbekommt: Wie der Ton ist. Es ist eine enorme Erleichterung nicht dauernd beobachtet zu werden, umso mehr trägt man die Verantwortung alles richtig zu machen.

Ein weiterer Tipp ist es auch einfach Nur-Ton-Aufnahmen zu machen ohne dass sich die Schauspieler viel bewegen oder Geräusche machen. Allein diese zu haben kann einem nachher, wenn es darauf ankommt, das ADR (Automatic Dialogue Recording) bzw. die Nachsynchronisation im Studio ersparen.

Und als letzter Tipp: Atmo und Impulsantworten aufnehmen. Manche Atmos sind es vielleicht nicht Wert aufgenommen zu werden, aber besser man macht sie gleich als man fährt im Nachhinein stundenlang wieder zurück zum Drehort, wenn das dann überhaupt noch möglich ist. Eine Minute Ruhe am Set war bei uns kein Problem und wie es so schön heißt: „Better to be safe than sorry.“ Auch die Impulsantwort der Räume mit einem platzenden Luftballon haben wir zur Sicherheit aufgenommen. Man weiß ja nie ob man einen Faltungshall auf das Foley nachher drauflegen will.

Ein großes Dankeschön

Natürlich sind wir alle nach Studierende. Keiner von dem Hauptteam erhält Geld oder bekommt die Überstunden vergütet. Jeder in dem Team hat sein Bestes gegeben um ein tolles Projekt auf die Beine zu stellen, auf das wir Stolz sein können und das uns als Referenz in Zukunft weiterbringen kann. Viel Respekt gegenüber den anderen aufzubringen und im ständigen Austausch mit dem Beteiligten zu sein, ist meines Erachtens das A und O. Jeder muss auf den anderen Rücksicht nehmen, Kompromisse müssen manchmal gemacht werden, aber hier hilft es nichts sich abzuschotten und sein eigenes Süppchen zu kochen.

Auf ein großes Dankeschön an die Boom-Operatorin und Verkabelungsspezialistin Magdalena Müller. Bei solchen Projekten ist der Ton sicherlich kein Job für eine Person und die reibungslose Zusammenarbeit im eigenen Bereich wünscht man sicher immer, es ist aber oft keine Selbstverständlichkeit. Ich würde sagen wir haben den Set-Ton gemeinsam erfolgreich gemeistert.

Doch das Projekt ist noch lange nicht vorbei. Sobald der Rohschnitt bzw. der Picture Lock da ist, heißt es wohl: Nächster Halt/Next Stop: Post-Production.

(Beitragsbild: Fabian Altphart)

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